Geschichte

Die Matte wird urkundlich erstmals um 1327 belegt. Bezeichnet wurde damit die Gegend um die 1256 erbaute Untertorbrücke, welche bis ins 19. Jahrhundert die einzige Aarebrücke in Bern war. Die Matte bildete die Anlegestelle für Schiffer und Flösser und die Wasserkraft wurde durch Gewerbe und Kleinindustrie genutzt. 1448 wohnten in der Matte rund 600 Menschen, mehrheitlich der Arbeiterschicht zugehörend, was damals etwa 10 % der Stadtbevölkerung ausmachte.

Bedingt durch die Industrialisierung drängten Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr Arbeiter und Arbeiterinnen in die Stadt Bern. Die Stadtbevölkerung wuchs von 1888 bis 1900 um 40%, d.h. von 46‘000 auf 64‘000 Personen. Obwohl die Stadt zwischen 1890 und 1896 am Stadtrand 182 neue Arbeiterhäuschen bauen lies, war die Wohnungsnot derart, dass in den bestehenden Arbeiterquartieren und seinen baufälligen Behausungen gesundheitsgefährdende Wohnverhältnisse vorherrschten und aufgrund der Überbevölkerung Arbeiterfamilien in Zelten im Bremgartenwald übernachten mussten. Die damit verbundene Gefahr von Krankheiten und Seuchen (Cholera und Tuberkulose) führte dazu, dass die Wohnbaupolitik neu als Bestandteil der Gesundheitspolitik verstanden wurde. So war denn auch bis in die 1970er Jahre immer ein Arzt Mitglied im Vorstand der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Bern.

Der Berner Polizeiarzt, Dr. Friedrich Wilhelm Ost (1853 – 1922) setzte sich bereits in den 1890er Jahren durch quartierbezogene Erhebungen von Krankheiten und Sterblichkeit und Vorträge für verbesserte Wohnbedingungen ein. Sein Engagement führte 1911 zur Gründung der Gemeinnützigen Baugenossenschaft mit einem, für damalige Verhältnisse stattlichen Startkapital von CHF 260‘000. Bereits im Gründungsjahr erwarb die Gemeinnützige Baugenossenschaft 9 Häuser an der Badgasse, da das Matteqartier zu Beginn des 20. Jahrhunderts die prekärsten Wohnverhältnisse mit der entsprechend höchsten Sterblichkeitsrate aufwies.

Bereits Ende 1911, d.h. nur neun Monate nach der Gründung der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Bern, befasste sich der Vorstand mit diversen Sanierungen. Rückblickend lassen sich 13 Sanierungsetappen erkennen, welche im Jahre 1915 beginnen und – unterbrochen durch die beiden Weltkriege und die Weltwirtschaftskrisen der 30er und 70er Jahre – erst 1981 abgeschlossen wurden. Nur Dank grosszügigen Begünstigungen, namentlich dem Nachlass von Dr. Friedrich Wilhelm Ost, dem unermüdlichen Engagement der jeweiligen Vorstandsmitglieder, dem Verantwortungsbewusstsein der Genossenschafter und auch dem Wohlwollen der Stadt Bern konnte die Sanierung der Badgasse schlussendlich erfolgreich abgeschlossen und die Tätigkeit der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Bern auf weitere baufällige Gassen und Häuser ausgedehnt werden.

Der Zweck der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Bern ist immer noch der gleiche wie 1911. Einerseits erwirbt, saniert und baut sie Immobilien mit dem Zweck, in der Stadt und Agglomeration Bern moderne und günstige Wohnungen anbieten zu können. Andererseits vermittelt sie ihren Genossenschaftern Bauaufträge, welche stets marktkonform erbracht werden müssen.

(Für weitere Informationen zur Geschichte der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Bern vgl. die Publikationen unter News.)